Apfelwochenspaziergang

Schon ein kleiner Spaziergang reicht, um in der Apfelwoche viele Apfelbilder mit nach Hause zu bringen. In der Oberen Falltorstraße zum Beispiel lockt das Mütterzentrum mit Apfelangeboten ins Café:

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Weiter unten wird’s modischer, aber nicht weniger apfeliger. Bei Speidel Dessous Socks Nails etwa:

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Und ein paar Meter weiter bei „Müller die Mode“:

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Kulinarische Genüsse gibt es zum Beispiel im Grießhaberschen Wirtschäftle in Öschingen zu erleben. Hier können sie leider nur optisch wiedergegeben werden:

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Apfelaphorismus, Jonasjokus und deftige Hausmannskost

Am Apfelwochenfreitagabend fiel die Wahl schwer. Aber ob Bienendokumentarfilm „More than honey“ oder Apfelvorleseabend im Grießhaberschen „Wirtschäftle“ in Öschingen – man konnte in beiden Fällen nichts falsch machen.

Wer sich für die zweite Variante entschieden hatte, musste sich zuerst seinen Platz suchen: der Abend war ausgebucht. Dann galt es noch schnell, Essen und Getränke zu ordern, denn Punkt 19 Uhr stand Jürgen Jonas auf der Bühne – oder besser: saß am literarischen Katzentisch und weigerte sich auch standhaft, während des Vortrags etwas zu essen („dann spucke ich Ihnen Krümel ins Gesicht“) oder auch nur ein klitzekleines Schnäpschen zu trinken („dann weiß ich nicht, ob das mit dem Lesen noch gut geht“).

Apfeldekoriert, hochkonzentriert: Jürgen Jonas bei der Lesearbeit

Apfeldekoriert, hochkonzentriert: Jürgen Jonas bei der Lesearbeit

Dabei war letzteres ein großes Anliegen des radelnden Lokalreporters. Unverständlich, so Jonas, sei es doch, dass es Abwasserzweckverbände zuhauf gebe, wo aber tage der Steinlachtäler Kirschwasserverband?

Der Abend blieb aber nicht bei Lokalkolorit und knitzem Humor stecken. Der Blick weitete sich und in einem Parforceritt durch die Kulturgeschichte des Apfels und seine literarischen Hinterlassenschaften ließ Jonas kaum eine Epoche aus.

Garantiert Bio, ganz sicher regional: Grießhabersches Wurstbrot.

Garantiert Bio, ganz sicher regional: Grießhabersches Wurstbrot.

Das Urteil des Paris. Karl Mayer, der „Reiskamerad“ Uhlands und Dichter der „Wachtel der Zufriedenheit“. „Deutschland alter Apfelbaum“, Uwe Kolbes interpretationsfähige Lyrik. Hitler, apfelessend im Zug nach Salzburg. Natürlich Schillers Vater, der alte Obstbaumzüchter. Und Friedrich selbst, mit faulenden Äpfeln im Schreibtisch und Apfelwuchsdatierungsproblemen im Tell. (Der Jonassche Zettelkasten muss Luhmannsche Dimensionen umfassen.) Ein gesprengter Apfelbaum in Unna. Natürlich Luthers nie zitiertes Apfelbäumchen. Krähende Zapfhähne. David Friedrich Strauß und Gustav Schwab, überhaupt die schwäbische Dichterschule. Bertolt Brecht, Sebastian Blau und das Hohelied Salomos, Goethe und Hegel, jeder hat zum Thema Apfel Erhellendes beizutragen. Oder auch Finsteres wie Hegel, der dem Apfel die großen Katastrophen der Menschheit zuschrieb: Der Sündenfall! Troja!! Newton!!! Da war aber Platon dialektisch schon weiter gewesen, der alte Aphoristiker:

„Wenn zwei Knaben jeder einen Apfel haben und sie diese Äpfel tauschen, hat am Ende auch nur jeder einen. Wenn aber zwei Menschen je einen Gedanken haben und diese tauschen, hat am Ende jeder zwei neue Gedanken.“

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Unklar blieb aber auch nach dem letzten Käsebrot die Herkunft der am meisten belachten Vierzeiler des Abends. Von Karl Mayer dürfte er nicht gewesen sein:

Zwei Knaben machten sich den Jokus
und tranken Most im Keller.
Da mußten beide auf den Lokus,
jedoch der Most war schneller.

Zum Glück versprach die Hausherrin eine Wiederholung des gelungenen Abends in der nächsten Apfelwoche. Sonst hätten am Ende die gut gelaunten Zuhörerinnen und Zuhörer den Vortragenden seinw wohlverdiente Fleischwurst nicht entgegennehmen und das zweckmäßige Abschlussschnäpschen nicht vertilgen lassen.

Jürgen-Jonas-Jause

jonas_150Das Grießhabersche „Wirtschäftle“ in öschingen bietet auch in der diesjährigen Apfelwoche wieder Gekochtes, Regionales und Ökologisches rund um den Apfel. Eine Anmeldung dazu ist erwünscht.

Höhepunkt der Woche in der Bioland-Demeter-Metzgerei aber ist ein literarischer Apfelabend mit dem Autor, Kolumnisten, Journalisten und Fettkreidenbildchenmalers Jürgen Jonas. Dieser trägt am Freitag, 2. Oktober ab 19 Uhr Geschichten, Gedichte und Texte rund um den Apfel vor. Flankiert wird der Abend natürlich von Apfelig-Kulinarischem: Apfelmost, Rauchfleisch, Hausmacher Vesper, Apfelsaft und vielem mehr.

Eine Anmeldung ist erforderlich.